La Crapule

Blogged by huslige as Berlin, Nicht kategorisier, huslige isst — huslige Mon 10 Apr 2006 0:12

Meine liebe Arbeitskollegin S und ich haben für eine anstrendgende Fleißaufgabe ein wenig Geld extra bekommen, und bevor wir es albern aufzuteilen begonnen hätten, sollte es lieber auf den Kopf gehauen werden. Daher (man gönnt sich ja sonst nix):

(Bild lizenziert unter Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5
Lizenz: Creative Commons-by-sa)

Amuse Geule: Filetstreifen mit Gemüse in Balsamico, Weißbrot, Knoblauchcreme
Vorspeise: gratinierter Ziegenkäse auf Salatbett
Hauptgang für mich: Escalope vom Lamm auf Sherrysauce, Gemüse, Kartoffeln
Hauptgang für meine Freundin: Seewolf in Mandelbutter mit Gemüse
Nachspeise: Creme Brulée (am Tisch mit einem heißen Eisen unter viel Rauchentwicklung frisch verbrutzelt)
dazu Corbiere für mich, Cote du Rhone für sie. Und eine Flasche Sprudel
Mehr braucht man dazu ja wohl nicht mehr sagen. Ach doch. 53 Euro all ink für beide.

Geld weg, Bauch voll, Seele baumelt.
La Crapule
Skalitzerstr. 68
U. Schlesisches Tor
Tel: 030/69565010
Öffnungszeiten: Mo-Fr ab 12 Uhr, Sa-So ab 18 Uhr

Oliven und selbstständiger Camembert – später auf einen Kaffee mit Sick Boy

Blogged by huslige as Berlin, Nicht kategorisier, huslige is watching you, huslige isst — huslige Fri 7 Apr 2006 19:28

Laue Luft und frohe Laune führten Huslige heute ans Maybachufer zum Wochenmarkt (bitte unter diesem Link die Mp3 beachten), da kann man Glück kaufen (oder einfach bloß erlaufen). Schon am dritten Stand bleibt Huslige in plötzlicher Konsumgier stehen und ordert 150 g Oliven in Kräutern. Noch während der nette Verkäufer die Ware – wegen des Öls – sorgfältig in 2 Tüten schlägt, schämt sich Husilge, wohl wissend, dass aller Sorgfalt zum Trotz sofort drüber hergefallen werden muss… Weiter auf ins Gedränge und dabei mit frühlingshaft kirschfarben lackierten Fingernägeln in die Tüte gegriffen, dann gar reingerüsselt, bis Nägel, Finger und huslige Schnute mit Öl und mediterranen Kräutern verziert sind.

Markt

Nach dem Fressanfall im Gedränge (3 Anstandsoliven bleiben übrig) werden verstohlen die Finger beleckt und an der Jeans abgewischt und weiter gehts an jeder Menge Augen, Ohren und Nasen-Schmaus vorbei. Hmmm… Tintenfische auf Eis wechseln sich mit Orangenbergen (“Orangen 3 Kilo für 2!”), Gewürzen, synthetischen Tüchern, Plastikspielzeug, Süßigkeiten und Brotbergen ab. Herrlich ist das. Zum kläglichen Olivenrest wandern in der nächsten Stunde eine immense Tüte Eisenkraut (= Verbena. – ein super Tee, “reiner Wohlfühltee” wie mir eine Verkäuferin mal versicherte), mehr eingelegte Oliven (diesmal unangetastet), gefüllte Peperonie, ein Ziegencamembert (so weich dass er sich schier verselbstständigt) und ein wirklich übertrieben großes Paket einer mir bis dato unbekannten türkischen Süßigkeit aus getrockneten Aprikosen, Pistazien, Kokosflocken und Feigen.
Glücklich und fast pleite dann auf einen Absacker-Kaffee in die Ankerklause, einen Tisch am Fenster Richtung Kanal erwischt und, mit einem Ohr dem wild berlinernden Gewäsch der Bardamen gelauscht, mit einer Hirnhälfte die inzwischen neongelb erscheinenden Trauerweiden am Landwehrkanal betrachtet, deren Zweiglein Miniaturblätter treiben, mit der anderen das Interieur des Cafes bewundert, das zwischen Hafen-Kitsch, berliner Bierseligkeit und Punkrock-Klitsche changiert – einen Milchkaffee getrunken. Und weils so schön war, und Huslige grad im Frühjahr recht anglophil ist, musste noch ein Cheddar-Toast mit Jalapenoschoten und Tomaten hinterher. – Satt und selig liebe Freunde -
PornoAnker

Unterdessen liest Huslige übrigens (anglophil…) fleißig in Irvine Welshs “Porno” – dem Nachfolgeroman zu Trainspotting – Leith 10 Jahre danach. Passt in die Ankerklause (Vgl. hier: Ankerklause Foto und da: Trainspotting Foto) und ist auch sonst zu empfehlen. Trotz – oder grade wegen seines Fortsetzungcharakters. Denn zugegeben, Mark Renton, Sick Boy, Spud und Begbie wollte man doch irgendwie einfach noch mal erleben, oder?

Clownsenten und sozialistische Überbleibsel

Blogged by huslige as Berlin, Nicht kategorisier, huslige is watching you — huslige Mon 3 Apr 2006 12:02

Zwei größere Spaziergänge machte Huslige dieses Wochenende. Einmal rund um den Schlachtensee, bei dessen Namen ich selbstverständlich immer (wenn auch mit gerunzelter Stirn) an eine Schlachtplatte – also was fleischig üppiges und auch irgendwie Rotes dachte. Inzwischen habe ich erfahren dass das “Schlachten” im See nichts mit Gemetzel sondern vielmehr mit einer mir unbekannten slawischen Sprache zu tun hat. (vgl. Wikipedia zum Schlachtensee). Tatsächlich ist der Schlachtensee im Moment ein Ausbund an Dezenz in Farbe und Bewuchs. Kahl, braun, beige, stahlblau. Beruhigend wäre das fürs Gemüt, würde nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen Seite die S-Bahn sausen und ringsum halb Berlin spazieren. Ein wirklicher Lichtblick und Farbkleks waren hingegen entzückende Wasservöglein in clownesk buntem Gefieder, wie eine Mischung aus Ente und Papagei anmutend. Und ganz versöhnt haben mich der beginnende Regen, der die Ausflügler wieder in die S-Bahn zurücktrieb und der Erpel, der mit vorgerecktem Kopf und entschlossenem Gesichtsausdruck (ja das geht) unter leise splitterndem Geräusch einen letzten Rest dünner Eisschicht auf dem See durchbrach.

Mandarin Ente sowjetisches Ehrenmal, Bildtafel

Tags zuvor ein (leider tierloser) Ausflug in den Treptower Park. Auch hier zunächst herbe Enttäuschung, denn selbstverständlich sind Rasen und Bäume noch fast nicht vorhanden und sehen winterlich trist drein. Zwar lugen Krokusse allüberall aus torfigen Untergründen, aber – und da der besonders grobe Unterschied zu den reichen Parks im Süden, die die verwöhnte Huslige so kennt – kämpfen sich Krokusse und Gras ihren Weg hart durch Mengen verstreuten Abfalls. Trauriger Anblick, grade wenn die Sonne drauflacht. Drum nicht lange gefackelt und gleich auf zum Sowjetischen Ehrenmal (da zumindest ists aufgeräumt). Halb ästhetisch überwältigt-begeistert, halb angewidert von so viel totalitär-Kitsch an nur einer Stelle! Das Monument, das teils an ein überdimensioniertes Grab (100.000 m²!), auch ans Völkerschlachtendenkmal in Leipzsch und ähnlichen unbeholfenen deutschen Nationalschnikschnak, stark an die Dramaturgie christlicher Kirchen und logischerweise auch an NS-Architektur denken läßt – ist absolut sehenswert. Vorallem die Bildtafeln mit ihrer vollkommenen übertrieben völkischen, Comik-artigen Sprache, ihren Darstellungen von vollbusigen Bauersfrauen mit fetten Maschinengewehr im Arm hat eine absolut unfreiwillig naive Komik. Links und rechts vom Mittelteil der Gedenkstätte (nehme an das sich dort die Kriegsgräber befinden – 5000 Sowjetsoldaten wurden im Treptower Park beerdigt), führen diese Tafeln, die vom Krieg gegen Nazideutschland und den Sieg der Zivilisation in Form des Sozialismus erzählen, vorbei, ähnlich den Bildern oder Seitenkapellen in großen Kathedralen, die den Leidensweg Christi auf dem Weg zum Altar als Cartoon darstellen… Und tatsächlich besitzt auch das Sowjetische Ehrenmal eine Sakristei. Unter einem irrwitzig riesigen Arbeitersoldaten, der – ein Kind auf dem Arm – ein Hakenkreuz unterm Stifel zermalmt, befindet sich eine Kapelle mit Mosaiken und goldener Schrift in deutsch und russisch in der Kuppel. Wow.

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