Gute Idee
Herr Medienjunkie und die Suchbegriffe. Da lacht das Herz.
Herr Medienjunkie und die Suchbegriffe. Da lacht das Herz.

Neben gekrauster Stirne über Fußballfans und glückseligem Weiher-Sulen(s), neben Rollerfahrens wie in Teenie-Zeiten, neben Geburtstagstorte und seltsamen Schnitzeln in Augsburg, neben einem Konzert Besuch bei Phonoboy im HippieCommerzParadies Tollwood, neben seltsamen verwandtschaftlichen Begegnungen der polnischen wie der bayerischen Art… kurz: neben vielem Heimat- und Erinnerungsschwelgens brachten diese Tage im Süden auch längst vergessen geglaubte philosophisch-politische Überlegungen aus Kindertagen zurück ins huslige Gemüt.

Eine besonders hartnäckige solche Frage spannte sich in Form eines Cocktail-Schirmchens urplötzlich über den Eisbecher meines lieben Freundes DJ Edward (und es war ein warmer Sommerabend mit großartigem Riesenmond im Junihimmel…)
Hat jemand schon mal – sorgfältig – ein solches Schirmchen zerlegt? Falls ja, wird er oder sie wissen, dass sich in diesen hübschen seidenpapierenen Eisverzierungen geheime Botschaften verstecken. Löst man die Röllchen, über die das filigrane Schirmchen am Zahnstocher verankert ist, zartfühlend ab, befreit sie von Kleber und Farbe, kommen darunter winzige graue Papierrollen zum Vorschein, die, wickelt man sie zu schmalen Streifen auf – oh Wunder – ganz mit chinesischen Schriftzeichen bedeckt sind.
Zeigt sich hier eine ganz erstaunlich ästhetische Form des Altpapier-Recyclings? Oder teilen uns gefangene Dissidenten, die in düsteren Kerkerzellen Spaßprodukte für den westlichen Gebrauch zusammenbasteln müssen, ihre geheimen Hilferufe mit? Als Ignorant in der chinesischen Schriftkunde muss es für Huslige leider bei Spekulationen darüber bleiben. Vielleicht weiß jemand dort draussen mehr?
Die Idee allerdings, dass jährlich tausende pappiger Eisbecher in westlicher Sommerfrische von ungelesenen Hilferufen aus dem Riesenreich gekrönt werden, mag mir nicht mehr aus dem Schädel gehen. Und selbst das kurzzeitige Wiederaufblühen einer unwichtigen Zeitungsmeldung (wie: “Fahrrad zu verkaufen”… “Suche nette Masseurin” oder ähnliches) als buntes Schirmchen, in Eierlikör fußend, spricht mich an…. Wer weiß?
PS: Das nette Barbie-Bild mit den Rollern habe ich auf diesem schönen Blog gefunden.
Mal wieder, nicht wirklich Urlaub, eher Familiendienste. Aber immerhin. Sonnig, Menschen mit Deutschlandflaggen als Wickelrock (manchen dieser Bierbäuche sollte man stecken, dass Querstreifen fett machen…!). Sauberes, schniekes, strahlendes Minga. Wieso kann man nicht Berlin nach Bayern verlegen? das wäre doch schön so a la: ich arbeite in Minga und wohn in Kreuzberg – is ja bloß a halbe Stund mit der S1. … Oder: Klar fahr ma des Wochenend aufn Herzogstand, letztens war ich an der krummen Lanke, war auch hübsch… usw.
ZUSATZ: Huslige hat in Bayern einen Geburtstagskuchen erhalten. … Oh Kindheit!…: an dieser Torte habe ich mich schon mit sechs Jahren berauscht (im wahrsten Sinne des Wortes, weil sie bei uns zu Haus immer schon recht alkoholisch ausfiel) Da die Torte inzwischen in mehrere Bäuche versenkt wurde, hier zumindest mein Versuch sie virtuell zu teilen – das Rezept habe ich dirket aus dem Produktionsprozess heraus transkribiert:
Schwarzwälderkirschtorte
Boden:
4 Eier trennen
Ins Eigelb 4 Eßlöffel warmes Wasser und 100 ccm Zucker + 1 Vanillezuckerpackerl geben
Eiweiß schaumig schlagen.
Anschließend auch die Eigelbmasse schaumig rühren
300 ccm Mehl mit ½ – 1 Backpulver, 1 Prise Salz, 1 Teel Zimt und 4 Eßlöffel Rohkakao mischen. Zum Eigelb geben und sanft unterrühren.
Eischnee (noch zärtlicher) unterheben.
Springform (26cm) einfetten und mit Bröseln bestreuen, Teig hineinstreichen und bei 180 °C ca. 30-35 min. backen.
Füllung und Tortenbau:
1 Paket Sauerkischen (=Weichseln = Schattenmorellen) von 750 g – aufgetaut – aufkochen. Sobald sie kochen, eine Lösung aus ½ Kaffeehaferl Stärkemehl, 100 ccm Zucker, und großen Mengen Rums / oder Kirschwassers oder Kirschsaft hineinrühren, kurz mitkochen lassen, dann auskühlen lassen.
Biskuit abkühlen lassen, aus der Form nehmen und vorsichtig in 2 Deckel teilen.
½ Tafel (= 100g) Blockschokolade in grobe Raspel schneiden
3 Becher Sahne mit 3 Päckchen Sahnesteif sehr fest schlagen.
Unteren Kuchenboden auf eine Platte platzieren, mit der Kirschmasse (jetzt kalt) bedecken, etwa 1/3 der Sahne darauf verteilen. Oberen Boden mit Rum beträufeln und den Kuchen damit deckeln
Die Torte rundum zuerst mit der restlichen Sahne, dann mit der Schokolade bedecken.
Platte außenrum mit feuchtem Küchentuch reinigen. Torte mit Kuchenhaube abdecken und eine Nacht lang kühl stellen. Innerhalb von 2 Tagen aufessen, sonst einfrieren.
In Kürze hier ein paar Worte von Gast Schreiber Dj Edward…
Bis dorthin etwas Musik für die Warteschleife (Danke Dj Stefan)
Vielleicht… Vielleicht kann ich – zumidest zeitweise – aufhören auf den Regen zu fluchen. Zum Beispiel, weil das bunte Karneval der Kulturen Treiben mich nicht sonderlich ärgern wird, nachdem Aufenthalt draussen nicht erwünscht und nicht erstrebt. (das K.d.K.-Plakat hätte übrigens auch noch ganz gut in den Lordi- und Andre Heller Artikel gepasst. Grenzwertig..)
Dann gibt die miese Wetterlage viel Gelegenheit zu absoluter Faulheit. Absolut im Sinne von: völlig bewegungslos, ohne Frischluft und in gebratenen Speck, Eier, Baked Beans und Toast-Düften schwelgend… oder mit flachgesessenem Popogefühl vor dem großartigen 60er Machwerk “1 Million Years BC” versackend (hübsch: Raquel Welsh flüchtet im Pelzbikini und mit ondulierter Stirnfransentolle vor einer 200-fach vergrößerten Eidechse, ergeht sich dabei in wüstesten Bluebox-Gesten…)
Oder man liest ein bissl Augusten Burroghs, erkennt sich – halb amüsiert (Alltagsbeobachtungen, Spleens) – halb entsetzt (Trinkverhalten) wieder. Großartig: Magical Thinking, ein Kurzgeschichtenband. Zitat da draus: “he is the sweetest guy and he has absolutely no annoying attitude. On the other hand, he’s difficult to work with because things like space distract him”. ich kenne auch Menschen (Huslige leider eingeschlossen) die – zumindest manchmal – von so extravarganten Dingen wie der 3 oder gar 4-Dimensionalität des Alltagslebens überfordert werden können.
Aber trotzdem. Diese Form zu leben geht nur eine Woche, höchstens zwei gut, dann wirds der Husligen zu fad. Und zu kalt. gestern Nacht verbarachte Huslige aus purer Sturheit – starr und klamm gefroren – bis um halb vier im Club der Visionäre zu. Zähneklappernd. Das war vielleicht etwas doof, aber notwendig. Und sobald es irgendwie wieder hinhaut findet ihr mich ab 21.00 im Kiki Blofeld. Sommer nachholen.
Kiki Blofeld (früher auch mal Kiki Würfelt oder King Kameamea)
Köpenickerstr. 48/49
Kreuzberg