Montag Abend am Kiez.
Kennt ihr die Geschichte vom Herrn Zani? Wie er mal nachts an eine Kreuzung kam, an der ein altes Mütterchen stand, erbämlich zitternd und bibbernd. Und der Herr Zani geht hin und fragt: Gehts ihnen gut? kann man ihnen helfen? und das Mütterchen sagt: Nein nein es ist nichts. Ich bin nur so betruhuhuuunken…. Ich könnte ja heute wirklich einen Haufen Geschichten erzählen nach einem Kreuzberger Kneipenabend am Montag. Z.B. vom Jugoslawen, der 10 Jahre in Auxburg gewohnt hat und jetzt nach Chile will, um sich in Kneipen als Spanier auszugeben und Flamenco zu spielen… Oder von dem türkischen Opa der Ecke Wrangelstr. / Falckensteinstr. entlangwackelt, dabei furchterregend schwankt und mit den Armen rudert – und Huslige kann einfach nicht ausmachen, ob er weiß, dass sein Krückstock hinten an seinem Kragen hängt… Aber am meisten beeindruckt hat heute ein berliner Schicksal schlechthin. Es gab da diesen extrem netten Barkeeper, den ich kennenlernte als er mir vor etwa einem Jahr, während ich die erste aprilfrische Frühlingssonne genoss, einen vollkommen ungenießbaren Gin Tonic servierte. Und am nächsten Tag, als ich ihn auf “dieses Getränk” ansprach mit charmant erschrocken aufgerissenen Augen sagte: “Oh. äh. der Gin Tonic war Bäh, oder?” Eben dieser großäugige Bub begegnete mir kürzlich im Theater, als er mir irrtümlicherweise eine Bewerbung zu einem Schauspieler-Casting in die Hand drückte – er hatte die Huslige – wie andere vor ihm, wegen ihres ungünstigen Büroplatzes – für die Empfangsdame gehalten. Dumm gelaufen. Heute begegnet das schauspielernde Großauge also wieder der Frau Husligen. Er steht an der Theke in der Theaterkantine und ist außer sich. Schwer verstört und unglücklich. Wie sich herausstellt hat er ein Etablissement gemietet, und zwar von fiesen Küchenschwaben. Mir nichts dir nichts muss er seine eben aufgemachte Kneipe in 8 Tagen räumen. Frau Huslige ist mitleidig und verspricht, das dem Untergang geweihte Bierlokal (nur 2 Straßen vom husligen Wohnort entfernt) bald aufzusuchen, um an den Endexzessen teilzuhaben. Und als sich der montägliche Durst einstellt, wandert sie tatsächlich hin. Der ausschenkende Schauspieler freut sich sehr über den Besuch und in nullkommajosef ist Frau Huslige mit dem gesamten anwesenden Kiezbürgern vertraut. Komisch nur, wie sich ein Bub mit freundlicher Kellnermanier auf einmal in einen geschäftsmännischen Halbmafiosi mit fragwürdigen Allüren wandeln kann. Sehr fragwürdig, Huslige… Aber immerhin unterhält man sich über Dostojewski (Huslige: Dostojewski ist lustig. Schauspieler: Dostojewski ist wahr)
Man kann nun zwei Blickwinkel haben. Einmal, in der denkbar verstocktesten Lesart, wünscht man sich, nicht schon wieder einen Abend unter Kultur-Schafen, -Trollen und -Gschwärl zu verbringen. Dann fällt auf einmal die letzte Zitty Schlagzeile ein, die lautete: “Meine Armut kotzt mich an” (Aritkel zum Phänomen der No-Budget Lebensweise junger Berliner Kreativlinge). Und man sich umschaut. Und trotz Armut begegnen sich: der jugoslawische Augsburger Flamenco-Spieler, Chilene in spe; der Ex-Kameramann mit einem Faible für Bayern München und die schwedische Königsfamilie. Das Großauge. Die Huslige. Und am Ende auch noch der wackelnde Opa, die bibbernde Omi.
Lassen wir den Zynismus beiseite. Kiezkultur rulez. Und dem jungen Wirt wünsch ich einen Neustart ohne Küchenschwaben.
Comment by oioiii — 28 February 2006 at 14:35
Da meint man immer Sie hätten kein Leben, Frau Huslige…
Comment by huslige — 28 February 2006 at 15:00
WER meint das?
Comment by DJ Edward — 28 February 2006 at 15:17
Naja, in Schweden macht man schließlich schon (Blondinen-)Witze über Sie: http://users.cybercity.dk/~bka1792/blonhus.html
Comment by oioiii — 28 February 2006 at 15:18
es gibt auch huslige roboter, die ham auch kein spannends lebn…
http://www.amobil.no/artikkel/2684
Comment by huslige — 28 February 2006 at 15:32
zu Eurer Info: das HUSEL war ein rituelles Fest der Germanen. “huslig” heißt somit feierfreudig. und heilig. Jawoll.
Comment by DJ Edward — 28 February 2006 at 16:05
Quelle? Beleg?
Comment by frau gschaftlerin — 28 February 2006 at 16:46
Nachweise zu husel oder húsel finden sogar in der Wikipedia, und bei verschiedensten Elfen-, Troll- (!) und Germanenverehrern im WWW. ziemlich blutige Angelgenheit dieses Gehusel…
http://en.wikipedia.org/wiki/Anglo-Saxon_mythology
http://dontgohere.nu/oe/as-bt/read.htm?page_nr=568
http://wodening.ealdriht.org/eric/blot.html
Comment by DJ Edward — 28 February 2006 at 20:46
Ach, Wikipedia…
Comment by DJ Edward — 28 February 2006 at 20:55
Obwohl: Fight for your right to huuuusel!!!
Comment by oioiii — 28 February 2006 at 20:56
moanst?
Comment by DJ Edward — 28 February 2006 at 20:57
oooooooooooooooooooooooooooiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Comment by oioiii — 28 February 2006 at 21:01
bluuuuut, massaker, party
Comment by oioiii — 1 March 2006 at 16:22
Sind Frau Huslige jetzt beleidigt?
Sie wissen doch. Bloggen, bloggen bloggen und an die Leser denken!